| News-Port | ||
Mit der „Langen Nacht der Weltreligionen“ gingen die „Lessingtage 2012“ am Thalia Theater zu Ende |
|
|
| Sonntag, den 05. Februar 2012 um 00:18 Uhr |
|
Stimmungsvoller Abschluss eines erfolgreichen Festivals: Vom 18. Januar bis 4. Februar 2012, zwischen Geburts- und Todestag des Festival-Namensgebers, fanden zum dritten Mal die Lessingtage im Thalia statt, inzwischen eins der wichtigsten Theaterfestivals der Stadt Hamburg, das nationale und internationale Gastspiele sowie Eigenproduktionen, soziokulturelle Projekte, Filme, Diskussionen und Vorträge zeigt und darüber hinaus in Nachgesprächen mit den Ensembles Gelegenheit gibt, sich über Hintergründe und ästhetische Fragen auszutauschen. Nach Ilija Trojanow, der während der Lessingtagen 2011 künstlerisch und intellektuell im Mittelpunkt stand, kam in diesem Jahr Navid Kermani eine zentrale Rolle zu. Sowohl seine Eröffnungsrede zum Thema Patriotismus in Deutschland als auch die Installation zu seinem Roman „Dein Name“ in den Deichtorhallen stießen auf große Begeisterung. Thematisch erweiterte das Motto „Die Welt im Ich – das Ich in der Welt“ Lessings Toleranzbegriff, der dem Festival wie in den letzten Jahren einen inhaltlichen Rahmen gab. Mit Lessings „Emilia Galotti“ im Thalia in der Gaußstraße gab eine hauseigene Premiere den Startschuss für das 18-tägige und damit bisher längste Festival mit seinen über 80 kleinen und großen Veranstaltungen. Neben den großen Stücken wie dem fulminanten Auftaktgastspiel „Three Kingdoms“ der Münchner Kammerspiele mit Darstellern dreier europäischer Nationen, der niederländischen Bühnenadaption des Romans „Schande“ des Literaturnobelpreisträgers Coetzee durch Luk Perceval und der ausverkauften „WildeWeiteWeltSchau“ von Rainald Grebe, begeisterten auch in der Gaußstraße spannende Begegnungen mit Gastspielen fremder Kulturen. Das im Vorfeld von viel Protest radikaler Christen begleitete „Gólgota Picnic“ des argentinischen Regisseurs Rodrigo García sorgte dabei beim Publikumsgespräch für ebenso viele anregende Diskussionen wie das junge, provokative Tanztheater von Wim Vandekeybus aus Brüssel oder der besondere musikalische Zugriff des Ensemble Modern auf das Leben des kubanischen Sklaven Estéban Montejo „El Cimarrón“ von Hans Werner Henze, einer Koproduktion mit den Elbphilharmonie Konzerten und Human Rights Watch. Extrem zahlreich waren die kleinen Projekte und Veranstaltungen, die das Festivalprogramm abrundeten, von der Human-Rights-Watch-Filmreihe und dem muslimischen Poetry-Slam in der Theaterbar Zentrale über Nachtfahrten, Stadtführungen, der Open-air-Ausstellung „Denk mal Lessing!“ und dem Lessing-Parcours auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz bis zur Barkassenfahrt und dem neuen Thalia-Klassenzimmerstück „Chica Chica“ in der Max-Brauer-Schule. Weltenreisen und die Auseinandersetzung mit den Themen unserer globalisierten Welt garantiert! Joachim Lux zieht Bilanz: „Die Lessingtage 2012 waren mit weit über 80 Veranstaltungen so reich und vielfältig wie noch nie. Das Festival hat die ganze Stadt bespielt: von den Deichtorhallen über den Gerhart-Hauptmann-Platz und Cadillacfahrten kreuz und quer durch Hamburg bis zu Barkassenfahrten im Hafen oder Schulklassen mit unserem neuen Klassenzimmerstück „Chica Chica“, das sich interkulturellen Fragen widmet und in der Max-Brauer-Schule Premiere hatte. Auch die Vielfalt der künstlerischen Formensprache war enorm: Modernes Tanztheater war ebenso vertreten wie Klassisches Schauspiel, Musikrevuen, Avantgarde-Performances, I-Slam, neue Musik und Jazz. Die Regiehandschriften, die wir präsentieren konnten, sind ein kleines ‚who is who’ des europäischen Theaters: Rodrigo García, Kristian Smeds, Luk Perceval, Constanza Macras, Wim Vandekeybus, Tiit Ojasoo, Stefan Moskov u.a. Begleitet wurde das Festival von Filmreihen, Diskussionen und Symposien. Und zum Abschluss gab es die schon traditionelle „Lange Nacht der Weltreligionen“ - diesmal zum Thema Schöpfungsmythen. Besonders glücklich war ich darüber, dass es gelungen ist, nach Ilija Trojanow bei den ersten Lessing-tagen in diesem Jahr mit Navid Kermani einen herausragenden geistigen Fixstern zu gewinnen. Es war ein Festival, wie es sein soll: offen für die Vielfalt unserer Welt, offen auch für die unterschiedlichsten und gelegentlich extremen Handschriften, überraschend und unvorhersehbar. Eine schöne Pointe war auch, dass es plötzlich zwei Lessingdenkmäler gab – eines am Gänsemarkt und ein zweites vor dem Thalia Theater... Im Geiste Lessings ist – das hat sich jetzt zum dritten Mal gezeigt – vieles möglich, was der zunehmenden Internationalität und dem interkulturellen Leben in unseren Städten gerecht wird. Eines der schönsten Erlebnisse war, als 500 Schüler im Geiste der Toleranzidee des 18. Jahrhunderts, von freundlichen Polizisten eskortiert, lautstark diese Ideen ins Heue transportierten. Eine ganze Schule samt Eltern und Lehrerschaft diskutierte über Lessings Themen wie Toleranz und Aufklärung und bewies damit aufs Neue, wie provokant diese Ideen noch heute sind, wenn man sie ernst nimmt.“ Die Bilanz der Lessingtage ist überaus positiv. Insgesamt 88 Veranstaltungen sahen knapp 15.000 Zuschauer, was einer Gesamtauslastung von etwa 72 Prozent entspricht. Besonders die Programmauswahl für die Gaußstraße stieß beim Publikum schon im Laufe des Vorverkaufs auf große Begeisterung und Zustrom (Auslastung 82 Prozent bei 28 Vorstellungen), ebenso die 37 außergewöhnlichen Sonderveranstaltungen in der Stadt (Auslastung 92 Prozent) – von den Deichtorhallen über die Barkassenfahrt bis hin zu den Stadtführungen. Viele Festivalbesucher im Großen Haus zeigten nicht nur begeistertes Interesse an den Gastspielen der renommierten Häuser, sondern besuchten auch die hauseigenen, dem Festival inhaltlich angebundenen, Produktionen (Auslastung 70 Prozent). Die Gesamtzuschauerzahl liegt weiterhin auf einem hohen Niveau und im Vergleich zu den ersten beiden Ausgaben des Festivals in der Mitte: etwa 2.000 weniger als im sensationellen letzten Jahr und 1.900 Zuschauer mehr als 2010. Die dritten Lessingtage konnten in diesem außergewöhnlichen und bemerkenswert umfangreichen Rahmen stattfinden durch die großzügige Unterstützung der Freien und Hansestadt Hamburg – Kulturbehörde, der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, der Körber-Stiftung, der Rudolf-Augstein-Stiftung, der Mara & Holger Cassens-Stiftung, der Thalia Freunde sowie der Hamburgischen Kulturstiftung. Projektförderer waren die Udo Keller Stiftung Forum Humanum, die Ilse und Dr. Horst Rusch-Stiftung, die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., die Gesellschaft „Harmonie“ von 1789, die Thalia Buchhandlung; die Arbeitsgemeinschaft türkischer Unternehmer & Existenzgründer e.V. und die Schiffsvermietung Barkassen-Meyer Kooperationspartner waren die Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg, die Deichtorhallen, das Deutsches Schauspielhaus, die Elbphilharmonie Konzerte, das ElbjazzFestival, Human Rights Watch, ImPuls Mitte, Jugendmigrationsdienst des CJD Hamburg und Eutin, Kampnagel, das Internet-Feuilleton Kultur-Port.De, das Museum für Völkerkunde Hamburg, Spurensuchen, der Verlag der Weltreligionen und die Volkshochschule Hamburg. Quelle: Thalia Theater |



Ihre Kommentare (Gast-Eintrag auch ohne Mitgliedschaft möglich)