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Im Gespräch: Claus Friede mit der Künstlerin Iris Schomaker

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Geschrieben von: Claus Friede   
Donnerstag, den 28. Mai 2009 um 14:47 Uhr
Untitled (Black Lake), 2009 Watercolor and oil on paper

(Bild: Untitled (Black Lake), 2009 Watercolor and oil on paper, 21 x 30 cm)


Claus Friede im Gespräch mit Iris Schomaker in ihrem Atelier in Berlin-Mitte.

Claus Friede (CF): Bei unserem ersten Treffen haben wir überlegt, ob es nicht sinnvoll ist, anstatt einen Text über deine Arbeit zu schreiben, ein gemeinsames Künstlergespräch zu führen. Die Möglichkeit, die Künstlerin selbst zu Wort kommen zu lassen, erschien uns beiden als guter und authentischer Einstieg auf Deine Arbeit aufmerksam zu machen. 

 

Zu Beginn unseres Gesprächs haben wir eine ganze Reihe von Begriffen und Themen, an denen wir uns entlang arbeiten können.  Zum einen ist da der Begriff der Reduktion, des Komprimierens, auf den wir genauer eingehen sollten. Du hast im Vorfeld zu diesem Gespräch über ein Vorgehen gesprochen, das ich mit einem Katalysator vergleichen würde. Es geht dir darum, Themen, Fragestellungen und Inhalte zu reduzieren, zu filtern und zu kanalisieren. Die Reduktion unterliegt also einem katalytischen Vorgehen, einem Prozess der subtilen Dynamisierung.
 

Du hast im Vorgespräch über deine künstlerischen Bezüge auch Beispiele aus der Kunstgeschichte genannt, die japanische und chinesische Landschaftsmalerei oder die Farbfeldmalerei von Barnett Newman, auf die du dich berufst.
Wir sollten erst einmal über die Reduktion sprechen: Was bedeutet sie und welche Filterinstrumente benötigst du dafür? Du scheinst ja an bestimmten Punkten durchaus auch assoziativ vorzugehen, du kommst von Begriffen auf andere Begriffe und auch auf, ich nenne dies einmal, vereinfachte Zeichen. Du brichst die Inhalte quasi herunter bis du einen bestimmten Kern erreichst.

Pferd und Reiter I, 2009 ,Oil and watercolor on paper(Bild: Pferd und Reiter I, 2009 ,Oil and watercolor on paper, 290 x 240 cm) 
Iris Schomker (IS): Mir geht es wirklich genau um diesen Kern. Ich habe viele Arbeiten, die figürlich sind und trotzdem auch starke abstrakte Qualitäten haben. Es gibt zwar eine Farbigkeit in meinen Bildern, doch auf den ersten Blick wirken viele eher schwarz-weiß und durch die Setzung der Flächen und Reduzierung der Formen und die direkte und manchmal fast rohe Arbeitsweise erreiche ich eine Konzentration auf etwas Abstraktes.

CF: Das Pferd ist auf dem Bild aber doch als Pferd gemeint, es ist kein Surrogat oder Symbol, das nur auf etwas außerhalb seiner selbst verweist, oder?

IS: Ja und nein. Es geht bei dem Bild nicht um ein bestimmtes Pferd, das im Wasser steht, sondern es geht um die Idee eines Pferdes, das im Wasser steht, und um das, was mit dem Betrachter und dem Raum, in dem das Bild hängt, geschieht.

CF: Verstehe ich es richtig, dass du zwischen Bild und Betrachter Ebenen einschiebst?

IS: Ja, man schaut im Grunde auf das Bild und sieht: Das ist ein Pferd. Wenn der Betrachter dann anfängt genau zu schauen, kommt sehr schnell die Frage: Ist das überhaupt ein Pferd? Vom Anatomischen her stimmen meine Motive oft nicht. Und trotzdem fügt sich alles zusammen.

CF: Es kommt mir so vor, als seien die Details zwar einmal dagewesen, aber als hättest du sie wegradiert, fortgenommen. Das Hauptmotiv bleibt solitär in der Welt zurück, ist auf das Wesentliche reduziert und der Aspekt des Innehaltens kommt hinzu: Die Einzelfiguren im Raum, im entleerten Raum wirken allein, vereinzelt und manchmal einsam, zumal du auch nie Personengruppen malst oder zeichnest.

IS: Ja, es geht schon um ein klares Bei-sich-sein und um eine „andere“ Welt, die uns in ihrer Ruhe und Intensität irritiert.

CF: Ist damit auch das introvertierte Sein des Einzelnen gemeint, als Absetzung zur Welt außerhalb der Bilder?

IS: Ja, das kann man so sagen.



 

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